Bühne frei für Freki und das Dreadlock-Wikinger Kasperletheater. Haben sich Fans und Kritiker nach nur einem Jahr gerade erst von dem Trubel um “Blutaar” erholt, legen die Coburger Wölfe mit “Wolfskult” direkt den nächsten Grund für exzessives Fremdschämen und empörtes Kopfschütteln nach. Wer ihr erstes Album sowie die “Schildfront” Split mit Minas Morgul mochte und sich ein positives Bild nicht kaputt machen möchte, drückt jetzt lieber das “x” oben rechts im Browser und ignoriert alles was in naher Zukunft aus dem Hause Varg so zu lesen ist.
Und ernsthaft – ich hab ihnen vieles bei “Blutaar” durchgehen lassen, hab dumme Texte wie den von “Alter Feind” für Zugzwang wegen der aufkommenden “Nazi-Vorwürfe” gehalten, aber was ist das? Wer schreibt denn neuerdings die Texte für Varg? Stephan Weidner? So viel Selbstbeweihräucherung und “wir sind so unverstanden” Gefasel wie in “Wir sind die Wölfe” und dem Titelsong, war ich bisher wirklich nur von den Onkelz gewöhnt. Erstgenanntes Stück gab es für ausgewählte Anhänger der Coburger wohl schon vor einem halben Jahr zu hören, als ein so genannter Fan-Chor zur Untermauerung aufgenommen wurde. Es muss sich um eine kleine Fangemeinde handeln, denn wenn ich davon nicht im Internet gelesen hätte, wäre es mir beim reinen hören gar nicht aufgefallen.
Zugute halten kann ich der Scheibe, dass Freki sich grundsätzlich als Sänger gar nicht so schlecht anstellt. Solange er sich auf´s bloße keifen beschränkt, kann seine Stimme durchaus überzeugen – absolut unfähige Versuche Klargesang wie in der kurzen Stelle in “Schwertzeit” unterzubringen sollte er aber genau so unterlassen wie abgeänderte Zitate aus Paul Celans “Todesfuge.” Kann es sich diese Band wirklich noch erlauben mit Sprüchen wie “Der Tod ist ein Meister aus Stahl” zu provozieren?
Aus rein musikalischer Sicht bin ich froh schreiben zu können, dass das was auf “Blutaar” noch Pagancore genannt wurde zurückgeschraubt wurde, und wieder einigermaßen ordentlichem Metal gewichen ist. Schade dass dabei trotzdem bis zum Ende des Albums absolut nichts außer dem Akustik-Intro bei “Phönix” hängen bleibt. Von den Texten bei denen man sein Gesicht möglichst tief in den Händen vergraben möchte mal abgesehen. Wolfskult verfügt trotz unglaublich plakativer Titel wie “Naglfar” und Andy Claasen Hochglanzproduktion, über nicht einen einzigen Ohrwurm im “Schildfront” Stil. Das auch die Geschichte um das Totenschiff von anderen Gruppen schon wesentlich besser vertont wurde brauche ich an dieser Stelle wohl nicht zusätzlich erwähnen.
Mit “Blutdienst III” kann man es sich dann auch nicht verkneifen Parallelen zum früheren Erfolg mit dem Debüt “Wolfszeit” ziehen zu wollen, die dem absolut nicht gerecht werden. Herzlichen Glückwunsch Jungs – ihr habt´s geschafft meine bisherige Alben-Enttäuschung 2011 aufzunehmen. Traurig bei so viel früherem Potential.
Fazit: Ich möchte an dieser Stelle feststellen, dass ich keiner der von Varg so oft genannten “Hetzer” bin (obwohl ich sicher bin, dass diese die Band erst groß gemacht haben). Nein, ich bin im Gegenteil ein früherer “Fan” und absolut enttäuscht von dem was diese Gruppe da abzieht. Wenn die Onkelz los gehen und “wir sind die geilsten” Prollmucke machen, okay – aber wie kommt man als angebliche “Viking Metal” Band dazu? Quorthon würde sich im Grab umdrehen, wüsste er was heute so betitelt wird. Wie gesagt – rein musikalisch hat man sich gebessert, aber wenn nicht ein ordentlicher Song auf dem Album ist und man sich für die Texte schämen muss, sitzt beim besten Willen nicht mehr Punkte drin. Wäre das ganze technisch nicht so ausgefeilt würde ich persönlich sogar wesentlich weniger geben, muss allerdings eingestehen, dass ich das nicht wirklich rechtfertigen könnte. Wenn ihr euch nun doch noch selbst davon überzeugen wollt, rate ich euch vor einem übereilten Kauf auf www.varg-shop.de im Stream das komplette Album anzuhören. Mein Schildfront Shirt kommt zu Frekis Absurd Hemdchen in die Altkleidersammlung.
Titelliste von “Wolfskult”
- Jagd
- Wir sind die Wölfe
- Schwertzeit
- Wolfskult
- Naglfar
- Glorreiche Tage
- Phönix
- Blutdienst III
- Sehnsucht
- Glutsturm
Anspieltips:
> Wir sind die Wölfe
> Wolfskult
Erscheinungstermin:
04.03.2011









