Kaum eine Band hat 2010 für so viel Aufsehen und Schlagzeilen gleichermaßen gesorgt wie die Coburger Viking Metaller von „Varg“. Ausgelöst durch die „absurden“ Ausschweifungen ihres Gründers und Aushängeschilds Freki entwickelte sich besonders auf diversen Internetplattformen in den letzten Monaten eine regelrechte Hetzjagd gegen die einst in den Himmel hoch gefeierten Wölfe. Dabei wäre auch bei uns in der Redaktion beinahe untergegangen, dass die Gruppe bereits Ende Januar mit „Blutaar“ ihr zweites Werk auf die Anhänger deutschen Pagan Metals los gelassen hat. Die negativen Berichte über den mitlerweile sogar vom Ragnarök verbannten Freki, scheinen dem kommerziellen Erfolg der Coburger dabei nicht im Wege gestanden zu haben – eher im Gegenteil.
Denn sollte Freki tatsächlich so auf Ruhm und Reichtum aus sein, wie der Großteil der von Varg so verhassten „Hetzer“ es von ihm behauptet, dürften ihm dank „Blutaar“ erst recht die Dollarzeichen in den Augen blitzen. Wackenauftritt in der Tasche und nur knapp am Vertrag mit Nuclear Blast vorbeigerauscht, entwickelte sich das neue Werk schnell zum Kassenschlager und erklimmte auf direktem Weg die Spitzen der Verkaufscharts einschlägiger Versandhändel. Aber wer könnte es den Vieren verdenken, würde das komplette Album aus melodischen Ohrwürmern wie der anfänglichen Kampfansage „Viel Feind, viel Ehr“ bestehen wäre der Erfolg schlichtweg berechtigt. Auch wenn der Text ein bisschen selbstverliebt in bester (oder schlechtester) Onkelz Manier daher kommt, verfügt der schon im Vorfeld auf Myspace hörbare Song über ein gewisses Suchtpotential.
Und durfte ich dank des markanten Riffings nun schon des öfteren Betitelungen wie „Pagancore“ für das neueste Werk der Wölfe hören, so kann ich dennoch mit Bestimmtheit sagen, dass so manche Ideen und Melodien der neuen Scheibe über jeden Zweifel erhaben sind und man mit Stücken wie „Invictus“ und dem aggressiven Titelsong durchaus solide Arbeit geleistet hat.
Freuten sich Fans der Gruppe seit der Verkündung einer Fortsetzung zu „Blutdienst“ auf den zweiten Longplayer ihrer Helden, sorgte neben diesem Song ein weiterer für Aufruhr: „Alter Feind“ der, meiner Meinung nach, überflüssigste Song der ganzen Scheibe, bringt textlich genau das was eine ernstzunehmende Pagan Metal Band tunlichst unterlassen sollte: Politische Statements. Und zwar einen nicht grade wortgewandten Rundumschlag gegen die Anhänger extremer politischer Richtungen. Auf (schon erwähntem) Onkelz Niveau wird einfach mal in einem Atemzug gegen Nazis und Antifa gleichzeitig gewettert und auch dem leidigen Thema Presse der Mittelfinger gezeigt. Angesichts seines just bekannt gewordenen Faibles für Absurd, hätte Freki sich diesen Song vielleicht besser gespart – ein gutes Beispiel dafür wie man sich und seine Band selbst ins Aus schießen kann. Sieht man sich dagegen die Verkaufszahlen von „Blutaar“ an, könnte man mit etwas Paranoia auf die Idee kommen das alles wäre eine ausgeklügelte Taktik gewesen die Band kurz vor erscheinen des neuen Albums wieder ins Gespräch zu bringen.
Letztendlich ist es wohl nicht zuletzt dem Hype und der vollkommen überflüssigen Hetzjagd auf die Heiden um Gitarrist Freki zu verdanken, dass Blutaar ein solcher Verkaufshit wurde. Das Album ist ohne Frage gut, verfügt über einige wirklich solide Ohrwurmhits und kann auch auf einem längeren Zeitraum hinweg Spaß machen, aber es ist kein Vergleich zum großartigen Debüt und dem Split mit den Mannen von Minas Morgul. Da bleibt nur: Einige Male rein hören und dann wieder die Wolfszeit rauskramen – manchmal sind die alten Sachen eben wirklich die besseren.
Fazit: Das Album hat einige musikalische Leckerbissen – und mit „Alter Feind“ den bitteren Nachgeschmack. Ich weiß nicht ob ich der einzige bin, der im Metal nichts von Politik hören möchte. Der Pagan Metal (und besonders die Band Varg) hat genug Probleme mit dem braunen Gesocks und linken Steineschmeißern, muss das da wirklich noch in der Musik verarbeitet werden? Abschließend kann ich sagen, dass das Album mit Stücken wie „Viel Feind, viel Ehr“ und „Blutaar“ einige echte Ohrwürmer im Repertoire hat und für Viking Metal Einsteiger sowie für treue Fans der Wölfe durchaus interessant sein dürfte. Hoffen wir einfach, dass die Coburger bei der nächsten Veröffentlichung ohne den ganzen Rummel um politische Einstellungen auskommen und es dann wieder ausschließlich um das geht was der echte Heide hören möchte: Sagen über Götter und Lieder von Ehre, Treue und Stolz!
Zweite Meinung: Lang von mir ersehnt war der Tag, an dem ich erstmalig dieses Album in den Händen hielt. Viele Erwartungen hatte ich an das Musikstück, obwohl und trotz des öffentlichen Fokusses, der unglücklicherweise mehr auf der politischen Einstellung der Band als auf dem Album lag. Davon wenig beeinflusst hörte ich oft positiv bemerkend das Album und war von einigen Songs schlichtweg begeistert. Obwohl kein lyrisches Meisterwerk, fand ich doch Songs wie “Seele”, “Blutaar” und “Viel Feind, Viel Ehr’” durchaus stimmig und eingängig. Einzig der Song “Alter Feind”, der an sich nicht so schlecht ist, wie man denken könnte, nachdem man den Text gelesen hat, wirkt wie ein unbeholfener Rundumschlag gegen jedermann. Praktisch ein blinder Heide, der entschlossen um sich fuchtelt.
Einige gesangliche Einbrüche fielen mir zudem auf, so gefiel mir gesangstechnisch Wolfszeit noch etwas besser.
Wie bereits über mir geschrieben, ist das Album eine absolute Empfehlung meinerseits für Neulinge der Musik und Fans der Band.
Titelliste von „Blutaar“
- Wolfsmond
- Viel Feind, viel Ehr
- Invictus
- Sieg oder Niedergang
- Blutaar
- Seele
- Nebelleben
- Zeichen der Zeit
- Wilde Jagd
- Alter Feind
- Blutdienst II
Anspieltips:
> Viel Feind, viel Ehr
> Blutaar
Erscheinungstermin:
28.01.2010







