Darkthrone – Interview mit Fenriz
Pünktlich zum Release der neuen Platte der Urgesteine des Black Metal Darkthrone konnten wir von Schwarze-News.de die Drumlegende Fenriz zu einem Interview bewegen. Der Trommler spricht hierbei nicht nur über das neuste Werk des Duos, welches auf den Namen “Dark Thrones and black Flags” hört, sondern auch auch über kommerzielle Erfolge und die persönlichen Musikvorlieben einer Band, die nach wie vor Unmengen aufstrebender Black Metal Bands beeinflusst haben.
Schwarze-News: Fenriz, “Dark Thrones and Black Flags” geht weiterhin in eine punkige Richtung, ohne dabei den typischen Darkthrone Sound zu verlieren. Wie kam es zu dieser Wandlung vom Old School Black Metal?
Fenriz: Das hier ist Old School Black Metal aus dem Zeitraum der 80er. New school black metal begann zwar 1991, hatte aber den wirklichen Beginn mit “Typischem Norwegischen Black Metal Riff”, erfunden von Snorre Ruch und Euronymous, die Akkorde in einer bestimmten Weise spielten. Das ist auf THORN Demos oder bei Mayhem live in Leipzig oder Burzum zu hören. Ich spiele jedoch nicht diesen Stil. Ich spiele Celtic Frost/Hellhammer/Venom Style, den wirklichen Black Metal. Black Metal ist jedoch kein Trend oder ein bestimmter Stil. Ich zähle auch Mercyful Fate zu den 80ern und so gehöre auch ich zu den 80ern. Ich habe zwar ein paar wenige Songs in den 90ern geschrieben, 90% meiner Werke basieren jedoch auf die 80er.
Seit 1996 habe ich glaube ich nur einen Track mit New Wave Riffs geschrieben, er ist glaube ich auf dem “Plaguewielder” Album oder so. Und das neue Album beginnt mit einem New Wave Riff. Wir sind also keine Retro-Band, wir folgen unseren Herzen.
Was sich jedoch verändert hat, ist, dass ich mit den Songs seit 2005 tiefer in die 80er vorgedrungen bin. Sie enthalten mehr Speed Metal, mehr NWOBHM. Diese Songs musste ich selbst singen, weil ich es nicht verlernen wollte. Und ich wusste ja schon, wie die Vocals sein sollten – meine eigene Stimme.
Ted macht mehr Sachen wie Judas Priest und Black Sabbath (das tut er schon, seit er sehr jung ist.)
Das neue Album beinhaltet etwas mehr Punk, „Fuck off and die“ und „The cult is alive“ waren punkiger als „Dark thrones and black flags“, aber weil „black flags“ im Titel steht, denken scheinbar alle Journalisten, das Album würde viel Punk beinhalten. Dabei klingt es viel mehr nach Metal, so als ob es aus den Jahren 1979-1985 kommen würde.
Schwarze-News: Wird dies auf kommenden Alben beibehalten und evtl. noch verstärkt oder können sich alte Fans auf ein “Back to the Roots” Album freuen?
Fenriz: Wir produzieren nicht wirklich Alben seit wir unser Necrohell 2 Studio gekauft haben. Wir produzieren nicht mehr als 2 Songs am Stück und 5 im Jahr im Abstand von mehreren Monaten. Wenn wir also die nächsten zwei Songs schreiben und so 35-40 Minuten Zeit haben, macht es „BANG!“ und wir haben ein neues Album fertig, dann fangen wir das nächste an.
Ich habe den ersten Song unseres neuen Albums im Juni und er wird im Dezember bei der nächsten Tonstudio-Session hoffentlich aufgenommen.
Wir folgen also nur unserem Schicksal und tun, was immer wir tun müssen, keine Pläne, wie üblich. Aber ich denke unser nächstes Album wird dem Stil derer aus 2006, 2007 und 2008 folgen.
Schwarze-News: Mit “The Cult is Alive” konntet ihr besonders in eurer Heimat beachtliche Erfolge erzielen. Habt ihr mit “Dark Thrones and Black Flags” bereits einen Chartentry?
Fenriz: Ich weiß es nicht, ich verfolge die Charts nicht. Vielleicht hätte es uns jemand gesagt, wenn einer der Songs in den Charts gewesen ware. Man hat es uns gesagt, als „The Cult is alive“ hier und in Dänemark hoch in den Charts stand, was komisch ist. Ich denke unsere Musik könnte mehr Erfolge in Kanada, Brasilien oder Australien haben, da wir jetzt “Global Speed Metal” sind, hehe.
Nunja, jedenfalls verfolge ich die Charts nicht, ich arbeite mehr im Untergrund, so wie 1987-1989.
Ich mag Bands wie The Devil´s blood, Portrait, Eidomantum, Gasmask Terrör, Zemial, The Batallion, Salute, Em Ruinas, Deathhammer, Old, Vomitor, Farscape, Lonewolf, Orcustus, Aura Noir, Virus (aus Norwegen), Witch (aus den USA), Evil Army, Karnax, Resistance, Doomed Beast, Demon´s Gate, Alpha Centauri, Morne, Mäniac, Sonic Ritual, Deathroner (killer band aus Kanada!), Jex Thoth, Nocturnal, Enforcer (aus Schweden), Nekromatheon, World burns to death, Hevn, Hellshock und anderes aus dieser Richtung.
Schwarze-News: Wird es noch einmal ein Video wie zu eurer großartigen Kultsingle “Too Old, too Cold” geben?
Fenriz: Nein, das Video war kein Bullshit. Wir haben es so real gemacht, dass es Leute verletzt.
Aber ich denke, dass ich Musik am meisten mit den Ohren genieße, nicht mit den Augen. Ich mochte einige Videos aus den 80ern, der Zeit als ich aufgewachsen bin, solche wie Twistet Sister: “You can´t stop Rock´n´Roll”, aber das war auch eigentlich mehr, weil ich den Song mochte, nicht wegen dem Video an sich. Ich denke niemals darüber nach Videos zu drehen. Wenn das dennoch passiert, ist es Ted´s Idee. Und manchmal haben wir eben verschiedene Pläne und lassen dem anderen die Möglichkeit, zu bekommen, was er will.
Schwarze-News: Die letzten 3 Alben sind in einem Abstand von jeweils nur einem Jahr entstanden. Woher nehmt ihr Inspiration zu neuen Songs?
Fenriz: Nunja, ich schreibe ja nur vier bis fünf Songs in einem Jahr. Das komplette “Transilvanian Hunger” Album habe ich innerhalb von zwei Wochen geschrieben UND aufgenommen. Es ist also ein langsames Tempo, aber mit all der Extraarbeit, die wir haben, wie Cover gestalten, 70 Interviews im Jahr geben, und den Jobs und dem Privatleben, die wir außerhalb von Darkthrone haben, haben wir genug zu tun. In den frühen 70ern war es üblich für Bands, zwei Alben im Jahr herauszubringen und auf Tour zu gehen. Wir jedoch können Alben schreiben, solange wir nicht auf Tour gehen. Schon als Kind in den 70ern habe ich davon geträumt, Alben zu schreiben und nicht auf der Bühne zu stehen – also ist mein Traum wahr geworden.
Schwarze-News: Wird man Darkthrone evtl. einmal live bestaunen können oder bleibt es bei Studioaufnahmen?
Fenriz: Abgesehen von unserer dreimonatigen Tour in meinem Lieblingsort in Travemünde im April/Juni, werden wir nur von Studio aus arbeiten.
Schwarze-News: Welche Musik horst du selbst gern?
Fenriz: Ich höre am liebsten Rock, Metal und Punk Bands aus den 60ern, 70ern und 80ern, oder neue Bands, die diesen Stil auch haben, wie Captain Beyond, Gun, The pretty things, High Tide, Lucifer´s friend, Possessed aus 71 und natürlich die anderen Possessed, James Gang, Dirty Tricks, Pentagram (aus den USA und Chile), und ungefähr tausend bands aus den 80ern.
Ich mag auch den NWOBHM Style, Real Metal aus den USA wie Rat Attack, Jag Panzer, Warlord, Manilla Road, Cirith Ungol und anderen. Ich mag auch Speed Metal und zwei alte Helloween Alben, die ich Power Metal nenne, aber der Stil wurde erst später Power Metal genannt. Heute ist es nur noch traurig. Natürlich mag ich auch deutsche Sachen wie Scorpions und Accept und Hand of Doom, später kam Trash Metal, Death Metal und Grind Metal wie Repulsion/Genocide, Terrorizer, Righteous Pigs, dann Punk aus den 60ern wie The sonics bis hin zu Dictators, Sonics Rendevouz Band, Dead Boys aus den 70ern und punkähnliche Stile aus den 80ern von NYHC über Crust bis hin zu härterem Punk wie Die Kreuzen, Septic death, Rudimentary Penis und so weiter und so fort.
Auch die verschiedenen Arten von Black Metal aus den 80ern und aus den 90ern. Ich mag auch die Stile von Blasphemy, Samael oder Sarcofago, Bands wie Von, Beherit und auch die frühen 90er wie Mayhem, Burzum, Thorns und Ved Buens Ende.
Die seitdem entstandenen neuen Stile mag ich allerdings nicht mehr.
Abgesehen davon mag ich ungefähr 100 verschiedene Musikrichtungen und die verschiedenen Unterordnungen, von Jodeln und Schlagern bis hin zu Calypso und Dubstep. Ich bin Musikfanatiker und ich höre jedes Jahr 500-750 neue Songs, die ich noch nicht kannte. Wie ist das möglich? Ich kann den ganzen Tag bei der Arbeit Discman hören, so höre ich zwei neue Veröffentlichungen jeden Arbeitstag.
Wir danken für das ausführliche Interview.
Tobias “Zigeunerjunge” Geers (Interviewführung)
“Kopfüber” (Übersetzung)
Dennis “Bieberpelz” Knoll (Kontakt, Promotion)






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